Vom Heilen und Wachsen

Merle

Ein Porträt über Merle Zirk

Im vergangenen Sommer sehe ich Merle zum ersten Mal. Wir sind zu Gast bei Sophia Hoffmanns veganem Barbecue. Zwei unter vielen. Sie sitzt am anderen Ende der Bierbank und ich habe ihre Geschichte vage in Erinnerung. Trotz ihrer zierlichen Figur strahlt sie eine unglaubliche Kraft aus und ich weiß, dass ich irgendwann einmal mit ihr sprechen werde.

Heute, ein halbes Jahr später, ist es soweit. Ich treffe Merle im Soham, der Yogakantine des Jivamukti Studios in München. Als sie zur Tür rein kommt, strahlt sie. Wir umarmen uns, suchen uns einen Tisch. Sie ist heiser und bestellt einen Salbei-Tee. Merle ist das erste Mal seit ihrer Diagnose krank. Eine Erkältung, die sie tierisch nervt. Aber eine Erkältung ist nichts gegen ihre Krankheit Krebs. Das böse K-Wort.  Im Alter von 30 Jahren sitzt sie im grell erleuchteten  Krankenhausflur und wartet auf das Ergebnis ihrer Untersuchung: „Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium“, heißt es und weiter: „Es sei ernst, man müsse schnell operieren.“ Merle registriert, aber versteht nicht. Sie ruft ihre Mutter an, die einst selbst den Krebs besiegte – sie macht ihrer Tochter Mut, aber Merle begreift nicht wofür. Da sind doch nur diese diffusen Schmerzen im Unterleib. „Krebs? Wie jetzt? Wirklich ich?“

Drei Jahre sind seit dem vergangen. Drei Jahre um zu realisieren, zu heilen und zu wachsen. Den Krebs bezeichnet Merle als ihren Guru, er hat ihr neue Wege geebnet. Sie kann selbst kaum glauben, was in den letzten Jahren passiert ist, unzählige Menschen hat sie kennen gelernt, lebt heute bewusst und ernährt sich vegan. Ihre neue Ernährungsweise ist ausschlaggebend für ihre Gesundheit und ihre Kraft. Hausieren geht sie damit aber nicht, nur wenn jemand wirklich Interesse hat, erklärt sie sich. Zwar ernährte sich die Schweinfurterin schon vor der Krebserkrankung vegetarisch, lebte aber ein hektisches Leben als Fernsehredakteurin. Sie reiste um die Welt, immer gut gelaunt, immer mit Menschen um sich herum. Oft blieb da nur Zeit für eine Fertigpizza oder Tütensuppe.

Merle versucht sich zu erinnern, wie es vor der Diagnose war. Welche Gedanken sie hatte, welche Sorgen. Es fällt ihr schwer. „Es ist wie ein anderes Leben. Als lägen über 30 Jahre dazwischen“, beschreibt sie es. Wenn sie von der Party-Merle erzählt wird ihre Stimme weicher und leiser, sie kneift das rechte Auge zusammen während sie überlegt. Auf ihrem Blog hat sie einen Brief an die alte Merle geschrieben. Cancerversary nennt sie ihn. Sie gibt so ihrem früheren Ich Vertrauen und Hoffnung in sich selbst und in die Zukunft. Die Tränen fließen dabei. „Ich glaube, das ist es“, sagt Merle dann und weiter: „Alle Entscheidungen liegen bei uns selbst. Wir sind für uns selbst verantwortlich!“ Deswegen will sie nach der Operation nicht die Verantwortung an der Krankenhausgarderobe abgeben. Sie merkt, wie gut es ihr tut, als sie einfach die Milch weglässt. Die Wassereinlagerungen in ihren Beinen verschwinden fast vollständig, dann lässt sie auch Fisch und Käse weg, kauft keine Fertiggerichte mehr und lässt sich zur ärztlich geprüften veganen Ernährungsberaterin ausbilden. Auf Merles Speiseplan stehen viel frisches Obst und Gemüse, vor allem Smoothies haben es ihr angetan. Sie macht Yoga, meditiert und auf die Frage hin, ob sie glücklich ist, kommt ein spontanes und kräftiges „Ja!“

Trotzdem der Krebs ist immer bei ihr. Merle bezeichnet ihn als einen Kumpel, als feinstofflicher Lehrer, als einen, der immer an ihrer Seite ist. „Manchmal macht er mich traurig, manchmal glücklich, manchmal macht er mir Angst und manchmal fordert er mich heraus“, erzählt sie. Am Tag vor unserem Gespräch hielt sie auf der Ayovega-Messe ihren ersten Vortrag  unter dem Titel „Cancer was my Guru – mein Weg in ein gesundes, glückliches, selbstbestimmtes Leben“ und war verdammt aufgeregt. „Kurz vor Beginn stand ich rum mit Herzrasen und verschwitzten Händen, da kam eine Frau zu mir und sagte mir, dass sie extra wegen mir auf die Messe gekommen ist und nahm mir meine ganze Angst. Sie war wie ein Engel!“ Die frühere Merle hätte das gar nicht wirklich wahrgenommen. Auch achtsamer machte der Krebs sie und er holt sie auf den Boden zurück. Vermeintlich Blödes erscheint jetzt weniger schlimm. So richtig schlimm sind jetzt nur noch die Bilder der Krebszellen für sie. Merle holt ihr Handy aus der Tasche und googelt danach. Sie sehen wirklich furchteinflößend aus, machen die schlimme Seite des Krebses aber auch greifbarer für Merle: „Die Angst ist dann nur kurz da und lässt sich leicht weiterschieben, auch weil ich weiß, dass ich den Krebs im Ernstfall unter Kontrolle haben kann.“ Der Ernstfall wäre ein erneutes Ausbrechen oder Streuen, die Kontrolle erreicht Merle über die vegane Ernährung und eine positive Denkweise –  neue Errungenschaften, geschaffen durch den Krebs.

Neu ist auch der Umgang mit Freunden und Familie. Viele Freunde kamen hinzu, manche von den alten gingen, manche blieben. „Wenn ich versuche mich in meine Freunde hineinzuversetzen, verstehe ich jetzt, dass sie irgendwann wieder in ihren Alltag zurück und mich nicht mehr mit Samthandschuhen anfassen wollten“, erinnert Merle sich. Lange schwang die Krankheit mit und machte sie tiefgründiger. Ewige Dramen wie unglückliche Beziehungen kommen ihr heute wie Lappalien vor. Nicht immer trifft sie den richtigen Ton und macht so manche schmerzliche Erfahrung. Ihre neuen Freunde lernt sie in Yogakursen, auf veganen Messen oder im Internet kennen. Online ist sie auch selbst mit ihrem Blog happygoluckyme.com.

Hier will Merle ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben, bietet Lifecoaching und Retreats für Krebspatienten und ihre Angehörigen an. Mit einer Mischung aus erfrischend sprudelnder Energie und Tiefe macht sie anderen Menschen Mut. Die Tiefe liegt vor allem im Blick ihrer braunen Augen und ihrer Fähigkeit zuzuhören und ganz still zu werden. Sie lässt andere einfach sein, beurteilt nicht und findet die richtigen Worte. Auch dann, wenn man über die Ursachen der modernen Krankheit Krebs spricht: „Dass sich Zellen so teilen, wie in unserer westlichen Welt gibt es nirgendwo sonst. Tagtäglich führen wir Gifte zu uns, über Nahrung und Kosmetik zum Beispiel. Und schau mal, von wie vielen W-Lan-Netzwerken wir umgeben sind. Strahlungen verändern unsere DNA und wenn dann noch ein seelischer Konflikt dazu kommt, dann passiert solch eine Zellteilung.“ Merle glaubt, dass die Unzufriedenheit mit sich selbst typisch für unsere Gesellschaft ist. Sie spricht von dem Wenn-Dann-Prinzip: Wenn ich abnehme bin ich attraktiver oder wenn ich mit dies oder jenes leisten kann, bin ich angesehener. „Nein!“ ruft sie laut und klopft sich dabei mit flachen Händen auf beide Oberschenkel. „Wir haben nur einen Körper und wir sollten ihm jeden Tag dankbar sein, dafür dass er uns herumträgt.“  Merle ist dankbar,  auch wenn große Narben ihren Körper zieren, die wie Symbole für sie sind.

Dankbar ist sie, auch wenn der Krebs ihr die Möglichkeit genommen hat, jemals selbst Kinder zu bekommen. Fast locker geht sie damit um und erzählt von ihrer kleinen Nichte, die ihr so ähnlich ist: „Ich kann doch die weltbeste Tante sein und vielleicht bin ich irgendwann Mutter, ohne ein Kind selbst auf die Welt zu bringen.“ Wenn sie das sagt, strahlt sie wieder und im Hintergrund singt Asif Avidan one day, baby we´ll be old.

Mehr von Merle Zirk gibt es unter: happygoluckyme.com

Newsletter: Wieso, weshalb, warum!

Ständig werbe ich hier und anderswo für meinen Newsletter. Jetzt kommt eine kleine Erklärung dazu – Newsletter: Wieso, weshalb, warum!

Bis vor wenigen Wochen habe ich den wöchentlichen Newsletter für das Magazin Vegan World (www.veganworld.de) geschrieben. Und ich habe diese Arbeit geliebt.

Es war wie ein eigenes kleines Heft von mir für etwa 2000 Leser*innen, wie ein kleiner VIP-Bereich, denn ab und an gab es auch was zu gewinnen.
Fast jeden Tag habe ich E-Mails bekommen, die mich und meine Arbeit bestärkt haben. Manche Menschen haben mir ihre Lebens- und Leidensgeschichte erzählt, die mich oft zu Tränen gerührt haben. Ja, meine Arbeit als Journalistin ist emotional. Sehr sogar!

Jetzt möchte ich als freie Journalistin das weiterführen, was ich bei der Vegan World angefangen habe, deshalb ist es mir eine riesige Herzensangelegenheit dich als Newsletter-Abonnent*in zu gewinnen. Machst du mit?

Hier kannst du dich mit deiner E-Mail-Adresse eintragen: Der Newsletter der Geschichtenspinnerin

 

Wider die Lebensmittelverschwendung

50 Prozent der Lebensmittel landen in Deutschland auf dem Müll. Der junge Aktivist Tatze kämpft auf eigene Faust völlig selbstverständlich gegen unsere Wegwerfgesellschaft an. Er lebt aus dem Container.

Der Raum gleicht einem Matratzenlager, an der Wand hängt ein Poster mit einem Ferkel und der Aufschrift „Wenn ihr Fleisch essen wollt, beißt euch doch in den eigenen Arsch“. Regale voll mit Flyern, Aufklebern und rot-weißen Absperrbändern stehen hier. Es ist das Zimmer eines Aktivisten. Auf dem einzigen Bett hockt im Schneidersitz der 22-Jährige Tatze. Die blonden Dreadslocks sind zusammengebunden, seine Unterlippe ziert ein Piercing. Er erzählt von der enormen Lebensmittelverschwendung, politischem Aktivismus und Lebensqualität. Tatze heißt natürlich nicht so und kommt aus einem beschaulichen Dorf an der Isar. Seine Eltern sind weder politisch aktiv, noch Veganer. Tatze ist beides. Schon in der sechsten Klasse hörte er auf, Fleisch zu essen, zum Ende der Schulzeit strich er konsequent tierische Produkte von seinem Speiseplan. Seine Motivation war das Tierleiden – Massentierhaltung findet er unfair. Sein Redefluss unterbricht nur dann und wann die WG-Katze, die sich an ihn schmiegt und sich schließlich auf seinem Schoß zusammenrollt. „Durch meine Ernährungsweise lernte ich Veganer, Umwelt- und Tierschützer kennen und eben Menschen, die aus Überzeugung aus Abfalltonnen leben“, erzählt Tatze. Das Containern oder auch Mülltauchen und Dumpstern genannt, schwappte aus den USA nach Europa. Es sind zumeist politische Aktivisten, die die Lebensmittelindustrie nicht durch Konsum unterstützen möchten. Für Tatze ist das Containern nicht nur ein Weg Lebensmittel, die frisch auf den Müll kommen, zu retten, sondern auch gleichzeitig eine Möglichkeit freier und selbstbestimmter zu leben, als Otto-Normal-Verbraucher. „Wenn ich weniger kaufen muss, brauche ich weniger Geld, ergo ich muss weniger arbeiten und habe mehr Zeit für schöne Dinge“, lautet Tatzes These. Dass sein Lebensstil nicht immer Freiheit bedeutet, musste Tatze vor zwei Jahren erfahren. Zwar macht sich der, der Lebensmittel aus den Mülltonnen von Supermärkten fischt, nach deutschem Recht nicht unbedingt strafbar, stellt der Supermarkt jedoch Strafanzeige, kann eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren folgen. Denn bis die Müllabfuhr die Tonnen leert, gehören die weggeworfenen Lebensmittel dem Supermarkt. Tatze und seine drei Mitstreiter sind ortsbekannt und wurden von der Polizei beim Mülltauchen ertappt, verhaftet und mussten eine halbe Nacht im Gefängnis verbringen. Alle vier wurden wegen Bandendiebstahls angeklagt. Das hält Tatze aber nicht davon ab, weiterzumachen, im Dunkeln durch das Münchener Umland zu streifen und Essen zu retten.

Containern legalisieren                                       

Um auf seinen Prozess und die Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen, haben Tatze und seine Mitbewohner einen Blog ins Leben gerufen. „Containern legalisieren“ forderten sie dort und nahmen Kontakt zum Kläger auf. Mit Erfolg. Kurze Zeit später wurde das Verfahren gegen sie eingestellt. Bei all seinem Gerechtigkeitssinn betrachtet Tatze das Containern dennoch nicht als Lösung für die ansteigende Verschwendung von Nahrungsmitteln: „Wir brauchen ein besseres Bewusstsein für unser Essen und ich bin mir sicher, wenn wir mehr Arbeit für die Erzeugung von Lebensmitteln investieren, es selbst säen oder ernten, bekommen wir einen besseren Bezug dazu und schmeißen weniger weg.“ Mit dieser Meinung steht er nicht alleine dar: Sharing Economys, solidarische Landwirtschaft, wie das Kartoffelkombinat in München – und eben Menschen die containern werden stetig mehr. Und auch das Europäische Parlament will die Lebensmittelverschwendung stoppen. In seiner Pressemitteilung vom 19. Januar 2012 steht das EU-Parlament für eine sparsamere Verpackung, eine bessere Ernährungserziehung an Schulen und Unis ein und lobte das Jahr 2014 als Jahr gegen Lebensmittelverschwendung aus. Weil der Fokus aber auf das Wahljahr gerichtet war, verschiebt sich das Vorhaben auf 2015. Interessant sind die Zahlen, die von der Europäischen Kommission bekannt gegeben wurden allemal: Insgesamt 89 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in der EU verschwendet, davon 42 Prozent in privaten Haushalten, 39 Prozent vom Erzeuger, fünf Prozent im Einzelhandel und 14 Prozent in Bewirtungsbetrieben.

 Mit dem Rucksack durch die Nacht

„Die Zahlen bestätigen mein Handeln“, meint Tatze, schultert seinen Rucksack sowie zwei große Tragetaschen und zieht los. Ungefähr drei bis vier Supermärkte und Discounter klappert er in einer Nacht ab. Die erste Station ist in etwa zehn Minuten zu Fuß erreicht. Tatze läuft am Eingang des Supermarkts vorbei. Im Hinterhof stehen die Mülltonnen – unverschlossen. „Glück gehabt“, grinst er. Jetzt im Sommer fällt die Beute kleiner aus. „Durch die Hitze verderben die Lebensmittel einfach schneller“ meint Tatze. Es riecht etwas muffig, als er die erste Tonne öffnet, der Geruch kommt von unten, obenauf liegen frische Lebensmittel vom gestrigen Tag, sauber und zumeist verpackt. Trotzdem streift Tatze sich Einmal-Handschuhe über und stürzt sich kopfüber in den ersten Container, die Taschenlampe zwischen den Zähnen. Eine Dose Champignons, in Plastik verpackte Bananen und zwei Laib Brot wandern in seinen Rucksack. Eine Salatgurke mit Druckstellen nimmt er nicht mit. „Mit der Zeit wird man wählerisch“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Seit fast vier Jahren containert Tatze schon. „Angefangen habe ich damit, als ich von zu Hause ausgezogen bin und der Fresskorb von meinen Eltern leer war“, lacht er. Er hat sich einfach seinen Mitbewohnern angeschlossen und kann nach dem ersten Reinfall schnell vom Essen aus der Tonne leben. „Eigentlich kaufe ich nur Gewürze dazu und Hygieneartikel – die lassen sich nicht so zuverlässig containern“, erzählt er. Nachdem er seine Beute verstaut hat, schließt er den Deckel des Containers wieder, sieht sich kurz um und meint: Alles wieder so zu hinterlassen, wie man es vorgefunden hat, gehört genauso zu unserem Ehrenkodex wie anderen etwas übrig zu lassen“. Auf dem Weg zur nächsten Station wirft er die Einmal-Handschuhe in den Müll. Bei jeder Station wird er ein neues Paar verwenden, sich die Finger schmutzig machen will er nicht.

Ausharren im Verschlag

In weiteren knapp zehn Minuten Fußweg ist das nächste Ziel erreicht. Der bekannte Discounter fährt schwere Geschütze auf: Die Container sind in einem Verschlag weggesperrt. Würde Tatze hier erwischt werden, käme nicht nur eine Anzeige wegen Diebstahls auf ihn zu, sondern auch eine wegen Einbruchs. Er steigt auf eine Zeitungskiste, die direkt daneben steht und zieht sich an dem zwei Meter hohen Stahlzaun hoch und quetscht sich zwischen Zaun und Decke in den Verschlag. „Ein gewisse Fitness sollte man schon zum Containern mitbringen“, lacht Tatze. Er hat leicht reden, nicht nur das Containern gehört zu seiner politischen Arbeit, sondern auch der Kletteraktivismus. Spontane Aktionen, wie das Klettern auf Straßenlaternen vor Flüchtlingslagern oder Mastställen bringen viel Aufmerksamkeit für sein Tun.
In dem engen Verschlag kann man sich kaum um die eigene Achse drehen, aber die Tonnen sind sogar noch sauberer als beim letzten Mal und bergen abgepackten Käse, frischen Spinat, Aprikosen und Tiefkühlpizza. Über die freut sich Tatze besonders. Plötzlich wird es hell, ein Taxi parkt genau davor und wartet anscheinend auf Fahrgäste. Seine Scheinwerfer sind auf den Verschlag gerichtet. „Ruhig verhalten, nicht bewegen“, befiehlt Tatze und lehnt sich fast schon lässig gegen eine der Tonnen. Über eine halbe Stunde wird es dauern, bis das Taxi endlich wegfährt, Tatze die Lebensmittel einpackt und wieder über den Zaun klettert. Mittlerweile sind die Tragetaschen gut gefüllt, und Tatze setzt zu einem Sprint an. Die gerade einfahrende S-Bahn will er unbedingt erreichen. Es ist Freitagabend und die Waggons sind voll mit Leuten die sich in das Münchener Nachtleben stürzen wollen. Tatze fällt unter all den schick gekleideten Menschen auf. Einige schauen neugierig, andere irritiert. „Mir ist des sowas von wurscht“, sagt er und rollt das „r“ in bayerischer Manier. Er stellt seinen Rucksack neben sich und die Taschen auf den Boden und macht es sich gut gelaunt auf zwei Sitzen bequem. Bereit sich weiteren Fragen zu stellen.

Containern – die dekadente Art einzukaufen

Wo genau er containert und welcher Supermarkt ihn und seine Mitbewohner angeklagt hat, will er nicht erzählen. Bevor er sie an den Medienpranger stellt, will er einen vernünftigen Dialog mit den Marktleitern führen und sie auf die eklatante Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen und damit vielleicht erreichen, dass Container für Essensretter wie ihn frei zugänglich sind. Der besagte Supermarkt war seine größte Quelle. „Einmal hin und man konnte tagelang unsere vierköpfige WG ernähren, jetzt muss ich unterschiedliche Stationen anfahren um die gleiche Menge zu containern“, bedauert Tatze. Die positiven Aspekte des Containerns überwiegen jedoch. Es sei sogar ziemlich dekadent. „Im Winter fische ich dutzende Kilos Orangen aus der Tonne, dann gibt es täglich frisch gepressten Saft zum Frühstück. Von dieser Dekadenz können wir uns beim nächsten Supermarkt dann auch überzeugen: die Tonnen sind zwar dreckig und bis auf vier Tüten Chips fast leer, aber daneben steht ein altersschwacher Einkaufswagen gefüllt mit Melonen, Mangos, Papayas. Die aufgeklebten Etiketten verraten – alles Obst aus Übersee und das in einem einwandfreien Zustand, einzig eine der Mangos hat eine bräunliche Druckstelle. Doch der Einkaufswagen bietet noch mehr: Baguettebrötchen, eine Schale Erdbeeren und vier Schalen Heidelbeeren. Tatze nimmt sich so viel er braucht und pfeift leise, freudig vor sich hin. Etwa zwei Drittel lässt er für andere Essensretter übrig. Ehrenkodex eben. „Es gibt auch nette Supermärkte. Hier arbeitet eine Verkäuferin, die heimlich einen Einkaufswagen mit den besten Sachen rausstellt“, erklärt er. Rucksack und Taschen sind jetzt wirklich voll und die Uhr steht weit nach Mitternacht. Er tritt den Heimweg an und reißt noch im Gehen eine Tüte Chips auf.

Vom Container zum Bauwagen

Wieder bei dem 40er Jahre Häuschen ankommen, in dem Tatze und seine Mitbewohner wohnen, verstaut er seine Beute im Keller. Hier ist es auch im Sommer schön kühl. Auf einem langen Esstisch ordnet er fein säuberlich und nach Kategorie die Lebensmittel an. Nur die Chipstüte ist mittlerweile leer. Bevor es an den Abschied geht, will Tatze noch sein Sommerprojekt zeigen. Im Garten steht ein nahezu renovierter Bauwagen. „Noch ein paar Wochen Arbeit reinstecken und dann ist das mein neues Zuhause und die 150 Euro Miete für mein WG-Zimmer kann ich mir sparen“, feixt der Aktivist. Er verrät weiter, dass er gerade mit seinem Chef über neue Arbeitszeiten verhandelt. Er will von einer 18 Stunden Woche runter auf acht Stunden. So hätte er für politischen Aktivismus noch mehr Zeit und auf das Geld verzichtet er gerne. Er braucht es ohnehin nicht.

 

 

Angst um dich

Halb nur bedeckt dich der Schlafsack, deine Beine haben sich ihren Weg nach draußen gebahnt. Eines deiner Füßchen hast du durch das Gitter deines Bettes gestreckt – nicht einmal so groß wie mein Handteller ist es. Eben erst hast du gelernt sie zu benutzen, schnell wie ein kleiner Wirbelwind läufst du. Ich stehe in der Mitte deines Kinderzimmers und betrachte dich, nehme jedes Detail auf, obschon ich dich so gut kenne wie sonst niemand. Ich bin deine Mutter und mein Atem wird langsam ruhiger, bald hebt und senkt sich mein Brustkorb wieder normal. Du bist alt genug, haben sie gesagt. Alt genug um alleine zu schlafen. Alt genug für ein eigenes Zimmer, ein eigenes Bett.
Und nun stehe ich in deinem neuen Kinderzimmer, nachdem ich alle Fenster und Türen unseres Hauses kontrolliert habe, in jeden Schrank und unter jeden Tisch, in jede Ecke geschaut habe. Ich denke scharf nach, ob ich nicht etwas vergessen habe. Eine Möglichkeit für ein Versteck? Ist die Haustüre auch wirklich verriegelt und sollte ich nicht vielleicht die Kommode vor die Balkontüre schieben? Nur für diese eine Nacht?
Ich trete an dein Bett, gehe in die Hocke und strecke meine Hand nach dir aus, streiche über dein noch feines, blondes Haar, presse meine Wange an die Stäbe des Gitterbetts und betrachte dich, rieche deinen unverwechselbaren Geruch, höre deinem Schlaf zu. Ewig könnte ich hier bei dir sein. Doch ich zwinge mich in mein Bett zurück.
In einer oder zwei Stunden bin ich wieder hier und stelle mir die gleichen Fragen, kontrolliert von meiner Angst um dich.

3 Fragen an: Anna E. Bauer

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Anna E. Bauer ist sowas wie eine Wundertüte. Sie ist Fotografin und Mutter. Sie fertigt wunderschöne vegane Hausschuhe für Groß und Klein, Wickeltaschen & Co an. Und sie entwickelt vegane Rezepte auf veganmom.de – weswegen ich sie ins Boot geholt habe.

Fortan wird sie also für dich unglaublich leckere, vegane Rezepte kreieren. Dabei habe ich ihr allerdings – so viel sei verraten – mehrere kleine Hürden gestellt. Einfach wäre ja langweilig! Du möchtest wissen, was das für besondere Rezepte sind? Dann melde dich schnell für meinen wöchentlichen Newsletter an.

Natürlich kam ich nicht umhin Anna Löcher in den Bauch zu fragen. Viel Freude beim Lesen unseres kleinen Interviews:

1. Was gehört für dich zu einer bewussten Lebensweise?

Zu einer bewussten Lebensweise gehört für mich das Wissen das ich nichts tun kann ohne das es ein anderes Wesen betrifft, positiv und leider auch negativ.  Ich esse ein Tier – also muss es sterben, ich kaufe dieses oder jenes Kleidungsstück – ein andere Mensch würd es für mich fertigen müssen und die Umstände unter denen er das tun muss sind vermutlich nicht die die ich für mich selber akzeptieren würde. Ich nehme das Auto für Strecken die ohne Probleme mit Rad/Bus/Bahn überbrückbar wären und mich nur ein minimales Maß an Komfort kosten würden und blase so unnötige Gifte in die Luft, die mir eigentlich lieb und teuer sein sollte. Diese Liste lässt sich ziemlich weit fortführen, was ich sagen will ist wohl klar.
Bewusst zu leben bedeutet für mich aber nicht nur immer auf dem Plan zu haben das alles was ich nutze und konsumiere einen Preis hat den nicht nur ich dafür bezahle, bewusst leben heißt für mich auch meine Gedanken so gut es geht zu kontrollieren. Beschimpfe und beleidige ich jemanden, versau’ ich ihm zumindest schon mal den Tag und mir vermutlich gleich mit. Aus einem schlecht gelaunten Menschen entspringt selten etwas woran sich andere erfreuen können, während ein Mensch der Anerkennung, einen netten Gruß oder ein Lächeln bekommt, einen ganz anderen Schwung drauf hat – allemal produktiver. Gedanken verursachen meines Erachtens das gleiche.
Bewusst leben bedeutet für mich mit Großmut über vermeintliches Fehlverhalten anderer hinweg zu sehen und mich daran zu erinnern das in jedem Menschen das Potenzial schlummert wunderbar zu sein – sogar zu mir, obschon ich auf dem Radweg in die falsche Richtung fahre.

Bewusst sein heißt für mich, mich nicht abzuspalten, nicht zu behaupten es würde mich nichts angehen, „ich ess‘ hier ja nur meinen Schokoriegel“. Ich möchte helfen da wo ich es kann, ich möchte Leid vermeiden wo ich es nur vermeiden kann und ich möchte schönes schaffen, so viel wie es geht. Das ist für mich bewusst leben.

2. Du bist Mutter. Wie wird wird unser Planet aussehen, wenn dein Sohn so alt ist wie du jetzt?

Wenn mein Sohn so alt ist wie ich, gibt es keine Tierhaltung, keine Kriege, keinen Hunger und keinen Hass mehr. Alle Lebewesen auf unserem Planeten leben friedlich mit-oder auch gerne nebeneinander her. Berührungspunkte gibt es nur dort wo alle Parteien es wünschen. Jeder Mensch hat ein gleich großes Stück Land das er bewirtschaften kann. Es gibt kein Geld mehr, sondern  Leistung gegen Leistung oder auch einfach aus Nächstenliebe. Jeder Mensch trägt seinen Teil dazu bei, ein funktionierendes Ganzes zu erschaffen und zu erhalten.

Das Schulsystem ist abgeschafft und durch effektivere, freiere und sinnvollere Modelle ersetzt worden. Es wird respektvoll mit unserer Welt umgegangen und da die Wende im Denken der Menschen gerade noch rechtzeitig passierte, sind wir in der Lage vorhander Schäden an unserem Planeten, verursacht durch Generationen der Bewusstlosigkeit, zu reparieren und so den kommenden Generationen einen wunderschönen Planeten zu übergeben.

3. Was ist dir wichtiger: Dass möglichst viele Menschen vegan leben oder das sie bewusst leben?

Bewusst, denn vegan folgt unweigerlich auf den Fuß.

Freiheit

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Mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens, sagt man.
Heißt das dann, dass das Leben ernst ist?
Ist Schule ernst?
Klingelt der Wecker morgens, damit ich ernsthaft lerne?
Fürs Leben? Für mich? Oder doch für jemand anderen?
Für wen?
Kommt nach Geschichte, Mathe und nach Mathe Biologie?
Oder doch Sport? Vielleicht auch Kunst?
Komme ich da nicht durcheinander?
Kann ich das?
Will ich das?
Kommt nach der Schule noch mehr Ernst?
Und was ist mit Freiheit?
Was ist Freiheit?
Weißt du es?
Ernsthaft?

Im Gespräch mit Laura Schneider

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Menschen, die was bewegen – Laura Schneider

Ich platze fast vor Stolz: Laura Schneider ist die Erste, die ich für meinen Blog interviewen darf.
Ich meine, hallo? Das ist Laura Schneider! Vielleicht kennst du sie noch aus der ARD-Serie „Marienhof“, viel wichtiger ist aber ihre Funktion in der veganen Szene. Ich kenne kaum eine, die den veganen Livestyle so zelebriert, wie Laura. Sie moderiert auf Veggie Messen und das vegane Sommerfest, sie führt mit einem sicheren Händchen Menschen zusammen, die zusammen gehören, sie ist ganzheitliche Lebensberaterin, Yogalehrerin – und vor allem ist sie eine, die was bewegt.

Laura und ich treffen uns im Goodies Cafe in München. Während des Gesprächs klettert meine Tochter auf ihren Schoß und hält ihr das Aufnahmegerät unter die Nase. Mit einer Hand hält sie Nora fest, mit der anderen gestikuliert sie. Laura unterstreicht ihre Worte mit fast der immer gleichen Handbewegung: energisch und doch elegant.

Liebe Laura, auf meinem Blog dreht sich alles um den Veganismus und bewusstes Leben. Gehören diese beiden Faktoren unweigerlich zusammen?

Bei vegan geht es um „Mehr“. Wenn du vegan lebst, änderst du deine komplette Lebenshaltung. Manche bekommen den Zugang über Yoga – das war bei mir zum Beispiel so. Wenn du Yoga praktizierst, beschäftigst du dich auch automatisch mit dem Essen, entdeckst, wie du dich wohl fühlst. Surdham und Judith Goeb sagten letztens auf ihrer Buchpräsentation: „Mit einer Schweinshaxen im Bauch kannst halt nicht meditieren.“ Und das ist es eben, du brauchst etwas Klares, etwas Frisches und dann reicht irgendwann auch vegetarisch nicht mehr. Das Vegane zieht weite Kreise. Das Bewusstsein erweitert sich. Und es geht auch um uns Menschen. Um das Miteinander und um das Verständnis. Wir erschießen uns immer noch gegenseitig auf der Straße, es gibt häusliche Gewalt und es werden Kinder missbraucht. Die Menschheit muss dringend den Schalter umlegen.

Und wie glaubst du, können wir diesen Schalter umlegen?

Zu Ruhe kommen. Dankbarkeit empfinden. Zufrieden sein. Sich selbst lieben. Da gibt es diverse Ansätze. Yoga ist einer davon. Manche, die Yoga ausprobieren essen noch Fleisch, dann ändert sich etwas. Sie werden vegetarisch, dann vegan. Es kommen Superfoods und Smoothies ins Spiel. Klar, es sind alles individuelle Geschichten, aber die meisten laufen so oder ähnlich ab. In meinen Augen ist es eine ganzheitliche Geschichte.

Die wie endet?

Indem du Zusammenhänge erkennst. Die Zusammenhänge in dir und deinem Körper, der Welt und deiner Umwelt. Der Verbundenheit und der Achtsamkeit.

Wie lässt sich der Großteil der Menschen erreichen?
Yoga ist immer noch ein Nischenmarkt …               

Wobei Yoga mittlerweile ziemlich kommerziell ist. Wovon ich absolut abrate, ist es zu missionieren, überlegen aufzutreten oder jemanden belehren zu wollen. Für mich ist es eher ein Helfen dabei aufzuwachen.

Du lebst anderen also vor?                                

Ja, inspirieren und neugierig machen. Zeigen, dass man gesund, happy, fit und effektiv ist. Das mehr Lebensfreude da ist. Dann wollen die Leute automatisch wissen, wie sie zu dem Lifestyle kommen. Die anderen sollen also auf uns zukommen und Fragen stellen lassen.

Hängt das nicht auch von der Warte ab, von der man die Welt aus betrachtet? Der Großteil meines Umfelds lebt vegan, macht Yoga, lebt bewusst. Aber wie erreicht man Menschen, die den Veganismus mit Körneressen gleich setzen?

Da muss man sich fragen: „Was ist das Ziel?“ Ist es das Ziel, jeden vegan zu kriegen oder will man Bewusstsein schaffen? Und wenn jemand der achtsam mit den Lebensmitteln und seiner Umwelt umgeht, in seinem Garten eine Ziege hält aus deren Milch er einmal im Monat Käse macht, ist das nicht unbedingt das Problem. Weißt du, was mich wütend macht? Das ist, wenn sich der Mensch über die Tiere stellt. Der Missbrauch, diese skrupellose Brutalität. Jeder zweite Mensch lebt in Angst. Das ist alarmierend. Die Meldungen, die durch die Nachrichten gehen, das ist totaler Wahnsinn …

Sollten wir vielleicht einfach mal Internet, Radio und TV ausschalten?

Tja, das ist die große Frage, wie verhält man sich den Medien gegenüber? Also, ich traue den Schlagzeilen und Berichtserstattungen nicht ohne Weiteres und ich fühle mich oft manipuliert.

Mir geht es genauso. Nach acht Jahren Redaktionsleben, kenne ich die Abläufe nur zu gut. Es wird vor allem am Personal gespart und auf den Service von Pressediensten vertraut. Reuters hat übrigens den vielsagenden Slogan „Before it´s news, it´s Reuters“ …

Ja! (seufzt) Ich will zum Aufwachen motivieren! Zu einem angstfreien, selbstbestimmten Leben. Vegan ist nur eine logische Konsequenz. Man sollte sich immer fragen: Was esse ich? Was ist in meinem Kühlschrank? Was kaufe ich ein? Da ist jeder Einzelne gefragt, jeder Einzelne gefordert. Das geht uns alle an! Vegan ist definitiv ein Zeichen, ein Richtungsweiser weg von Massentierhaltung und Ausbeutung. Es muss ja gar nicht jeder auf dieser Welt vegan sein und ich will auch niemanden die Butter vom Brot klauen, aber das was jetzt abläuft, können wir nicht zulassen und jeder, der nichts dagegen unternimmt, unterstützt es. Deswegen müssen die Menschen ganz dringend aufwachen und handeln.

Man sollte also alles hinterfragen?

Auf jeden Fall kritisch sein, nicht unbedingt misstrauisch, denn das ist auf die Dauer ziemlich anstrengend. Aber wenn du keine Fragen stellst, nicht einmal die Zutatenliste deines Mittagessens liest, ja, dann betrügst du dich letztlich nur selbst. Und mal ehrlich, es ist heutzutage doch so unglaublich einfach aufgeklärt zu sein.

Was bewegt dich momentan noch?

Das Thema Angst. Das ist auch der Inhalt meines ersten Blogs auf http://www.laura.world. Hier in München sind wir an Silvester mit einer Terrorwarnung ins neue Jahr gestartet. Ich möchte, dass wir Menschen nicht von Angst bestimmt sind. Machen wir uns frei. Sind wir mutig!

Wie schafft man das Mutigsein?

In dem du es einfach machst. Es gibt immer eine Stimme, die flüstert, mach es nicht. Aber wenn du über deine Angst springst, wirst du am Ende immer noch mutiger. Für mich in 2016 ein großes Thema und ich bin nicht hoffnungslos, denn es gibt genug gute Leute, die Ideen haben, die anpacken, die vegane Modelabels gründen, tierleidfreie Kosmetiklinien, nachhaltige Cafés …   Da sind viele mutige Helden am Start.

Was meinst du wird sich ändern? Werden die großen Unternehmen verschwinden? Werden sie umschwenken? Wird es weniger H&M geben und dafür mehr Sina Trinkwalders, nur um jetzt ein Beispiel zu nennen?

Ich glaube nicht, dass die „Großen“ verschwinden werden, aber die nachhaltigen Alternativen werden sich etablieren. Wir mit unseren veganen Produkten werden den Markt ganz schön aufmischen. Vegane Produkte werden in Zukunft selbstverständlich. Ja, das halte ich für sehr realistisch.

Glaubst du, dass wir diese Wende selbst in die Hand nehmen müssen? Menschen wie Jan Bredack und Atilla Hildmann, die den Veganismus massentauglich machen. Menschen, wie du und ich? Oder können wir da auf die Politik bauen?

Nö, auf die Politik sowieso nicht. (lacht) Unsere Politik hat ganz andere Probleme. Da gebe ich lieber keinen Kommentar ab. Wenn die Wirtschaft zusammenbricht, dann zählen wir. Und wir haben ja schon angefangen. Der Community-Gedanke zählt, wir schließen uns zusammen, wir organisieren uns selbst. Ganz nach der Weisheit der Hopi-Indianer: “We are the ones, we have been waiting for.”
Dieser Satz ist schon zu einem Mantra für mich geworden. Wir sollten zusammenhalten und uns nicht gegenseitig fertig machen, nur weil manche Veganer noch ihre alten Lederschuhe tragen.

Ich glaube auch, dass unser Wirtschaftssystem über kurz oder lang zusammenbrechen wird. Seit ich vegan lebe, denke ich mir bei jedem Lebensmitteleinkauf, hey, das alles könntest du auch selber anbauen oder selbst herstellen. Und auf den Tofu, den ich mir vielleicht einmal im Monat kaufe, verzichte ich gerne.

Du sagst es, ich bin auch absolut kein Fan von Industrieprodukten.
Kuchenteig zum Anrühren oder so …

Den gibts natürlich auch von Bio-Herstellern, aber ich glaube nicht, dass das die Lösung ist. Alles noch mal in grün.

Stimmt. Salami aus Soja oder vegane Tiefkühlpizza ist weder gesund noch nachhaltig. Ich bin auch ganz stark für Selbstgemachtes. So ein Pesto lässt sich doch schnell und easy herstellen. Warum also kaufen? Und saisonal essen ist wichtig. Tomaten im Winter? Lieber nicht! Es macht doch auch so viel Spaß zu experimentieren. Ich bin halt ein „New-Age-Hippie“. Ich mache Yoga – auch wenn es esoterisch ist – trinke Wildkräuter-Smoothies und ich schau mich im Spiegel an und kann sagen:“ Ja, genau das bin ich!“

Das Jahr hat gerade angefangen – was wünscht du dir für 2016?

Oh, 2016 hat ganz viel Potenzial. Da ist ein Feuer, das in mir brennt und ich weiß, dass wir große Projekte starten, dass die richtigen Leute zusammenkommen. Ich habe einfach ein sehr gutes Gefühl.

Herzlichen Dank, liebe Laura für das tolle Gespräch. Es wird sicher nicht das letzte sein.

Noch mehr Laura Schneider gibt es unter www.laura.world

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