Angst um dich

Halb nur bedeckt dich der Schlafsack, deine Beine haben sich ihren Weg nach draußen gebahnt. Eines deiner Füßchen hast du durch das Gitter deines Bettes gestreckt – nicht einmal so groß wie mein Handteller ist es. Eben erst hast du gelernt sie zu benutzen, schnell wie ein kleiner Wirbelwind läufst du. Ich stehe in der Mitte deines Kinderzimmers und betrachte dich, nehme jedes Detail auf, obschon ich dich so gut kenne wie sonst niemand. Ich bin deine Mutter und mein Atem wird langsam ruhiger, bald hebt und senkt sich mein Brustkorb wieder normal. Du bist alt genug, haben sie gesagt. Alt genug um alleine zu schlafen. Alt genug für ein eigenes Zimmer, ein eigenes Bett.
Und nun stehe ich in deinem neuen Kinderzimmer, nachdem ich alle Fenster und Türen unseres Hauses kontrolliert habe, in jeden Schrank und unter jeden Tisch, in jede Ecke geschaut habe. Ich denke scharf nach, ob ich nicht etwas vergessen habe. Eine Möglichkeit für ein Versteck? Ist die Haustüre auch wirklich verriegelt und sollte ich nicht vielleicht die Kommode vor die Balkontüre schieben? Nur für diese eine Nacht?
Ich trete an dein Bett, gehe in die Hocke und strecke meine Hand nach dir aus, streiche über dein noch feines, blondes Haar, presse meine Wange an die Stäbe des Gitterbetts und betrachte dich, rieche deinen unverwechselbaren Geruch, höre deinem Schlaf zu. Ewig könnte ich hier bei dir sein. Doch ich zwinge mich in mein Bett zurück.
In einer oder zwei Stunden bin ich wieder hier und stelle mir die gleichen Fragen, kontrolliert von meiner Angst um dich.

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