Im Gespräch mit Laura Schneider

 

Menschen, die was bewegen – Laura Schneider

Ich platze fast vor Stolz: Laura Schneider ist die Erste, die ich für meinen Blog interviewen darf.
Ich meine, hallo? Das ist Laura Schneider! Vielleicht kennst du sie noch aus der ARD-Serie „Marienhof“, viel wichtiger ist aber ihre Funktion in der veganen Szene. Ich kenne kaum eine, die den veganen Livestyle so zelebriert, wie Laura. Sie moderiert auf Veggie Messen und das vegane Sommerfest, sie führt mit einem sicheren Händchen Menschen zusammen, die zusammen gehören, sie ist ganzheitliche Lebensberaterin, Yogalehrerin – und vor allem ist sie eine, die was bewegt.

Laura und ich treffen uns im Goodies Cafe in München. Während des Gesprächs klettert meine Tochter auf ihren Schoß und hält ihr das Aufnahmegerät unter die Nase. Mit einer Hand hält sie Nora fest, mit der anderen gestikuliert sie. Laura unterstreicht ihre Worte mit fast der immer gleichen Handbewegung: energisch und doch elegant.

Liebe Laura, auf meinem Blog dreht sich alles um den Veganismus und bewusstes Leben. Gehören diese beiden Faktoren unweigerlich zusammen?

Bei vegan geht es um „Mehr“. Wenn du vegan lebst, änderst du deine komplette Lebenshaltung. Manche bekommen den Zugang über Yoga – das war bei mir zum Beispiel so. Wenn du Yoga praktizierst, beschäftigst du dich auch automatisch mit dem Essen, entdeckst, wie du dich wohl fühlst. Surdham und Judith Goeb sagten letztens auf ihrer Buchpräsentation: „Mit einer Schweinshaxen im Bauch kannst halt nicht meditieren.“ Und das ist es eben, du brauchst etwas Klares, etwas Frisches und dann reicht irgendwann auch vegetarisch nicht mehr. Das Vegane zieht weite Kreise. Das Bewusstsein erweitert sich. Und es geht auch um uns Menschen. Um das Miteinander und um das Verständnis. Wir erschießen uns immer noch gegenseitig auf der Straße, es gibt häusliche Gewalt und es werden Kinder missbraucht. Die Menschheit muss dringend den Schalter umlegen.

Und wie glaubst du, können wir diesen Schalter umlegen?

Zu Ruhe kommen. Dankbarkeit empfinden. Zufrieden sein. Sich selbst lieben. Da gibt es diverse Ansätze. Yoga ist einer davon. Manche, die Yoga ausprobieren essen noch Fleisch, dann ändert sich etwas. Sie werden vegetarisch, dann vegan. Es kommen Superfoods und Smoothies ins Spiel. Klar, es sind alles individuelle Geschichten, aber die meisten laufen so oder ähnlich ab. In meinen Augen ist es eine ganzheitliche Geschichte.

Die wie endet?

Indem du Zusammenhänge erkennst. Die Zusammenhänge in dir und deinem Körper, der Welt und deiner Umwelt. Der Verbundenheit und der Achtsamkeit.

Wie lässt sich der Großteil der Menschen erreichen?
Yoga ist immer noch ein Nischenmarkt …               

Wobei Yoga mittlerweile ziemlich kommerziell ist. Wovon ich absolut abrate, ist es zu missionieren, überlegen aufzutreten oder jemanden belehren zu wollen. Für mich ist es eher ein Helfen dabei aufzuwachen.

Du lebst anderen also vor?                                

Ja, inspirieren und neugierig machen. Zeigen, dass man gesund, happy, fit und effektiv ist. Das mehr Lebensfreude da ist. Dann wollen die Leute automatisch wissen, wie sie zu dem Lifestyle kommen. Die anderen sollen also auf uns zukommen und Fragen stellen lassen.

Hängt das nicht auch von der Warte ab, von der man die Welt aus betrachtet? Der Großteil meines Umfelds lebt vegan, macht Yoga, lebt bewusst. Aber wie erreicht man Menschen, die den Veganismus mit Körneressen gleich setzen?

Da muss man sich fragen: „Was ist das Ziel?“ Ist es das Ziel, jeden vegan zu kriegen oder will man Bewusstsein schaffen? Und wenn jemand der achtsam mit den Lebensmitteln und seiner Umwelt umgeht, in seinem Garten eine Ziege hält aus deren Milch er einmal im Monat Käse macht, ist das nicht unbedingt das Problem. Weißt du, was mich wütend macht? Das ist, wenn sich der Mensch über die Tiere stellt. Der Missbrauch, diese skrupellose Brutalität. Jeder zweite Mensch lebt in Angst. Das ist alarmierend. Die Meldungen, die durch die Nachrichten gehen, das ist totaler Wahnsinn …

Sollten wir vielleicht einfach mal Internet, Radio und TV ausschalten?

Tja, das ist die große Frage, wie verhält man sich den Medien gegenüber? Also, ich traue den Schlagzeilen und Berichtserstattungen nicht ohne Weiteres und ich fühle mich oft manipuliert.

Mir geht es genauso. Nach acht Jahren Redaktionsleben, kenne ich die Abläufe nur zu gut. Es wird vor allem am Personal gespart und auf den Service von Pressediensten vertraut. Reuters hat übrigens den vielsagenden Slogan „Before it´s news, it´s Reuters“ …

Ja! (seufzt) Ich will zum Aufwachen motivieren! Zu einem angstfreien, selbstbestimmten Leben. Vegan ist nur eine logische Konsequenz. Man sollte sich immer fragen: Was esse ich? Was ist in meinem Kühlschrank? Was kaufe ich ein? Da ist jeder Einzelne gefragt, jeder Einzelne gefordert. Das geht uns alle an! Vegan ist definitiv ein Zeichen, ein Richtungsweiser weg von Massentierhaltung und Ausbeutung. Es muss ja gar nicht jeder auf dieser Welt vegan sein und ich will auch niemanden die Butter vom Brot klauen, aber das was jetzt abläuft, können wir nicht zulassen und jeder, der nichts dagegen unternimmt, unterstützt es. Deswegen müssen die Menschen ganz dringend aufwachen und handeln.

Man sollte also alles hinterfragen?

Auf jeden Fall kritisch sein, nicht unbedingt misstrauisch, denn das ist auf die Dauer ziemlich anstrengend. Aber wenn du keine Fragen stellst, nicht einmal die Zutatenliste deines Mittagessens liest, ja, dann betrügst du dich letztlich nur selbst. Und mal ehrlich, es ist heutzutage doch so unglaublich einfach aufgeklärt zu sein.

Was bewegt dich momentan noch?

Das Thema Angst. Das ist auch der Inhalt meines ersten Blogs auf http://www.laura.world. Hier in München sind wir an Silvester mit einer Terrorwarnung ins neue Jahr gestartet. Ich möchte, dass wir Menschen nicht von Angst bestimmt sind. Machen wir uns frei. Sind wir mutig!

Wie schafft man das Mutigsein?

In dem du es einfach machst. Es gibt immer eine Stimme, die flüstert, mach es nicht. Aber wenn du über deine Angst springst, wirst du am Ende immer noch mutiger. Für mich in 2016 ein großes Thema und ich bin nicht hoffnungslos, denn es gibt genug gute Leute, die Ideen haben, die anpacken, die vegane Modelabels gründen, tierleidfreie Kosmetiklinien, nachhaltige Cafés …   Da sind viele mutige Helden am Start.

Was meinst du wird sich ändern? Werden die großen Unternehmen verschwinden? Werden sie umschwenken? Wird es weniger H&M geben und dafür mehr Sina Trinkwalders, nur um jetzt ein Beispiel zu nennen?

Ich glaube nicht, dass die „Großen“ verschwinden werden, aber die nachhaltigen Alternativen werden sich etablieren. Wir mit unseren veganen Produkten werden den Markt ganz schön aufmischen. Vegane Produkte werden in Zukunft selbstverständlich. Ja, das halte ich für sehr realistisch.

Glaubst du, dass wir diese Wende selbst in die Hand nehmen müssen? Menschen wie Jan Bredack und Atilla Hildmann, die den Veganismus massentauglich machen. Menschen, wie du und ich? Oder können wir da auf die Politik bauen?

Nö, auf die Politik sowieso nicht. (lacht) Unsere Politik hat ganz andere Probleme. Da gebe ich lieber keinen Kommentar ab. Wenn die Wirtschaft zusammenbricht, dann zählen wir. Und wir haben ja schon angefangen. Der Community-Gedanke zählt, wir schließen uns zusammen, wir organisieren uns selbst. Ganz nach der Weisheit der Hopi-Indianer: “We are the ones, we have been waiting for.”
Dieser Satz ist schon zu einem Mantra für mich geworden. Wir sollten zusammenhalten und uns nicht gegenseitig fertig machen, nur weil manche Veganer noch ihre alten Lederschuhe tragen.

Ich glaube auch, dass unser Wirtschaftssystem über kurz oder lang zusammenbrechen wird. Seit ich vegan lebe, denke ich mir bei jedem Lebensmitteleinkauf, hey, das alles könntest du auch selber anbauen oder selbst herstellen. Und auf den Tofu, den ich mir vielleicht einmal im Monat kaufe, verzichte ich gerne.

Du sagst es, ich bin auch absolut kein Fan von Industrieprodukten.
Kuchenteig zum Anrühren oder so …

Den gibts natürlich auch von Bio-Herstellern, aber ich glaube nicht, dass das die Lösung ist. Alles noch mal in grün.

Stimmt. Salami aus Soja oder vegane Tiefkühlpizza ist weder gesund noch nachhaltig. Ich bin auch ganz stark für Selbstgemachtes. So ein Pesto lässt sich doch schnell und easy herstellen. Warum also kaufen? Und saisonal essen ist wichtig. Tomaten im Winter? Lieber nicht! Es macht doch auch so viel Spaß zu experimentieren. Ich bin halt ein „New-Age-Hippie“. Ich mache Yoga – auch wenn es esoterisch ist – trinke Wildkräuter-Smoothies und ich schau mich im Spiegel an und kann sagen:“ Ja, genau das bin ich!“

Das Jahr hat gerade angefangen – was wünscht du dir für 2016?

Oh, 2016 hat ganz viel Potenzial. Da ist ein Feuer, das in mir brennt und ich weiß, dass wir große Projekte starten, dass die richtigen Leute zusammenkommen. Ich habe einfach ein sehr gutes Gefühl.

Herzlichen Dank, liebe Laura für das tolle Gespräch. Es wird sicher nicht das letzte sein.

Noch mehr Laura Schneider gibt es unter www.laura.world

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„Der stumme Frühling“

Ich schreibe nicht nur, sondern lese auch für mein Leben gerne. Meistens ein halbes Dutzend Bücher zeitgleich. Eines der Bücher, das ich gerade lese ist der Klassiker „Der stumme Frühling“ von Rachel Carson.

Die Autorin hat das Buch 1962 veröffentlicht und macht mit ihrem Werk auf die Auswirkungen von Pestiziden auf die Tier- und Pflanzenwelt und auf uns Menschen aufmerksam. Trotz der inzwischen vergangen Zeit, ein brandaktuelles Thema. Denn ich glaube, das unsere Umwelt stärker belastet ist, als gemeinhin angenommen.

Ich habe erst gestern mit dem Lesen begonnen und bin gespannt auf das Wissen, das sich in diesem Buch verbirgt. Ich halte dich gerne auf dem Laufenden und möchte dir die nachfolgenden und dazu passenden Zeilen, die ich vergangenen Sommer in mein Notizbuch gekritzelt habe, nicht vorenthalten:

„Siehst du die Bienen tot am Boden liegen? Die Hummeln daneben?
Siehst du die eintönige Landschaft?
Hörst du auch, wie der Gesang unser Vögel immer mehr verstummt?
Hörst du das Surren der Insekten? Oder hörst du es schon nicht mehr?
Wo ist die schillernde Farbenpracht des Frühlings hin?

Spürst du das Leiden der Tiere? Wo sind die Tiere?
Siehst du, wie der Himmel sich verändert? Blickst du in den Himmel?
Sehe. Höre. Schmecke. Fühle. Spüre. Rieche.“

Menko

Freilich muss die erste Geschichte auf diesem frisch geschlüpften Blog ein Gemeinschaftswerk meiner Tochter und mir sein. Nora hat sich die Einleitung ausgedacht und ich habe die Geschichte vom kleinen Drachen Menko weitergespinnt …

Zornig stieß der kleine Drache Menko eine seiner letzten Flammen aus. Seine Nasenlöcher bebten. Seit Stunden hing er schon hier fest und ihm wurde langsam kalt. Drachen hatten zwar eine schützende Fettschicht, aber wenn das Feuer in ihnen immer weniger wird, nützt auch die allerdickste Fettschicht nichts mehr – gerade jetzt im Winterwald in Südschweden. Es war zum Verzweifeln. Wie konnte er nur in diese Falle hineingeraten? Der gemeine Troll Wuck hatte ihn mit einem Zauberspruch an eine der dicken Eichen fest gebunden. Menko konnte sich kaum einen winzigen Millimeter bewegen. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als sich seinem Schicksal zu fügen. Sein Zorn wich tiefer Traurigkeit und ihm kullerten dicke Tränen die Wange hinunter. Er lehnte sich an die Eiche, die auch gleichzeitig sein Gefängnis war – und dann kam ihm die Idee. Nora!

Nora war seine kleine Freundin, sie hatten sich im vergangenen Sommer hier im Wald kennen gelernt und waren gleich Freunde geworden. Sie lebte zwar in Deutschland, aber wenn eine den Zauberspruch brechen kann, dann war sie es. Wie gut, dass die beiden im Sommer sich täglich in Telepathie geübt hatten und dank ihrer Freundschaft auch über die weite Entfernung mindestens einmal in der Woche Gedanken austauschten. Fast hätte er einen Freudensprung gemacht, wenn nicht das unsichtbare Band der gemeinen Verzauberung ihn auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hätte. Er atmete also ein paar Mal kräftig ein und aus – ganz bedacht darauf, nicht das allerletzte Feuer versehentlich zu verschwenden – und versuchte Nora in Gedanken zu erreichen.

Weil ihre Freundschaft so stark war, klappte es auch auf Anhieb. Nora empfing Menkos Gedanken mühelos. Sein Hilferuf ließ sie eilig zu ihrer Mutter rennen, die gerade dabei war Buchstaben an Buchstaben zu reihen. „Mama, wir müssen sofort nach Südschweden!“ Die Mutter schaute überrascht von ihrer Arbeit hoch, jetzt war ihr vor Schreck das e hinunter gefallen. Was sehr ärgerlich war, denn das kleine e ist eines der wichtigsten Buchstaben überhaupt. Zumindest in der deutschen Sprache. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie unglaublich phantasielos die Sprache ohne e sei, wie leer die Buchseiten und wie komisch die Worte klängen … „Was willst du denn in Südschweden? Hilf mir lieber das e wieder zu finden“, rief Noras Mutter und krabbelte auf allen vieren über das Gras um den verlorenen Buchstaben zu finden. „Unglaublich, Mama versteht ja rein gar nichts“, dachte Nora und rief jetzt schon ungeduldig: „Mama, Menko ist in Gefahr und wenn ich ihn nicht befreie, wird der Troll Wuck ihn für immer gefangen halten!“ Jetzt unterbrach die Mutter ihre Suche und setzte sich auf. Sie hatte den Ernst der Lage erkannt und eilte, sich die Hände an der Hose von Schmutz befreiend, nach drinnen, um im großen Hexenbuch nach der Anleitung der für die Teleportation zu suchen. Teleportation war nämlich eine knifflige Angelegenheit, die auch nur von Veganern beherrscht werden kann und damit man nicht versehentlich ganz woanders raus kam, wo man eigentlich ursprünglich hin wollte, musste man sich an einige Regeln halten. Sicher ist sicher. Als die Mutter die richtige Stelle in dem Buch gefunden hatte, las sie laut vor: „Jede Person muss vor Antritt der Reise mindestens ein Liter Wasser getrunken haben. Die Personen müssen sich an den Händen halten und gegenseitig in das linke Auge blicken. Die Personen müssen …“ Weiter kam sie nicht. „Ja, ja, ich weiß schon“, rief Nora nun noch ungeduldiger, als sie ohnehin schon war. Sie ergriff die Hände ihrer Mutter und sie bauten gemeinsam die Reisespähre auf.

Nach ein paar Sekunden waren sie genau dort, wo sie hin wollten. Der kleine Drache Lenko schrie vor Freude laut auf, nur um sich gleich wieder den Mund zuzuhalten. Wenn der Troll Wuck das mitbekommt. „Das ging ja schnell“, sprach Menko jetzt leiser und freute sich riesig. Nora fiel ihrem großen Freund in die Arme. Komisch war es schon den Drachen Menko jetzt so hilflos dasitzen zu sehen und sie erinnerte sich an die vergangenen Sommerferien, die sie meistens auf Menkos Rücken in schwindelerregenden Höhen verbracht hatte. Nun ja, hilft alles nichts, der kleine Drache musste jetzt dringend befreit werden, bevor der böse Troll Wuck auftauchte. Nora schloss also ihre Augen, griff nach ihrem Zauberstab und rief mit kräftiger Stimme: „Simsalabim!“ Kaum hatte sie den Zauberspruch ausgesprochen, war Menko befreit. Jetzt konnte er wirklich einen Freudensprung tun. Welch eine Wohltat! Die drei machten sich schnell aus dem Staub und lachten gemeinsam über die erfolgreiche Befreiung.

Und die Moral von der Geschicht? Auch große Probleme lassen sich manchmal durch ein einfaches „Simsalabim“ lösen.